Was ist deine Kriegerkraft?

Aktualisiert: 16. Sept 2019

Jeder von uns hat eine Fähigkeit, die er besonders gut kann. Sei es, außergewöhnlich willensstark, sprachbegabt, einfühlsam oder analytisch etc. zu sein. Irgendetwas können wir so gut, dass uns diese Fähigkeit bei allem hilft, was zu tun ist… man könnte sagen, diese eine Fähigkeit ist die Kirsche auf der Sahne des eigenen Lieblingseisbechers. Sich ihr bewusst zu sein; macht aus der Fähigkeit eine Superkraft oder wie ich sie gern nenne: eine „Kriegerkraft“.


Warum ist es so wichtig, sie zu kennen?

Stell dir vor, du bist in einer herausfordernden Situation und spürst, wie deine Unsicherheit, Verlegenheit, Druck, Überforderung oder Erschöpfung sich in dir ausbreitet. Wie ein unsichtbarer Film legt sich diese Empfindung über dich und du kannst wenig dagegen tun. Dein ganzer Fokus richtet sich darauf aus, was du alles nicht bist, nicht kannst und was du nicht schaffen wirst. Du empfindest Ohnmacht, Hilflosigkeit, bist ratlos oder fühlst dich minderwertig. Wie wahrscheinlich ist es, dass du innerhalb des Mangeldenkens die anstehende Herausforderung gut für dich löst?


Und jetzt stell dir noch einmal vor, wie du in deiner herausfordernden Situation deine Unsicherheit, Verlegenheit, den Druck, die Überforderung oder Erschöpfung spürst. Du merkst, wie der Film sich wieder über dich zu legen versucht, aber du kannst dich aufgrund deiner Bewusstheit über deine Kriegerkraft stattdessen für sie entscheiden. Weil dir diese eine Fähigkeit bewusst ist und du der Meister ihres Faches bist, ist es ein leichtes für dich, sie dir vorzustellen. Du weißt ganz genau, wie gut du darin bist, wie oft du damit deine ganz persönlichen Wunder vollbracht hast, in anstrengenden Zeiten gut „abgeliefert“ hast und den Anforderungen des Lebens gerecht werden konntest. Und weil dein Körper und dein Geist sich gleichermaßen daran erinnern, unterbrichst du plötzlich mit dem Gedanken an diese Kraft den negativen Film. Deine innere Größe kehrt zurück und du stehst aufrecht, hebst den Kopf und empfindest absolute Klarheit. Was glaubst du, wie du deiner Herausforderung mit dieser Haltung begegnen und sie lösen wirst?


Richtig! Ich unterstelle dir, dass du in der ersten Variante keine gute Entscheidung treffen, wenn überhaupt vermeidend re-agieren kannst. Im Wissen deiner Kriegerkraft dagegen kannst du dich mit ihr – fast automatisch – verbinden und agieren statt reagieren. Du musst keinem destruktiven Gefühl folgen, sondern bringst eine Handlung aus dir selbst heraus, mit der du für dich einstehst und selbstwirksam entscheidest.


Mit der Kriegerkraft entsteht aus einer inneren Not eine Tugend.

Was hat das mit einer*m Krieger*in zu tun?

Krieger*innen waren früher gezwungen, sich ihrer selbst auf allen Ebenen bewusst zu sein. Ihr Überleben war davon abhängig, wie gut sie sich selbst spürten, wie sehr sie sich ihrer Stärken bewusst und im Vertrauen waren. Wer im Mangel gedacht oder im Mangel gekämpft hat, wurde getötet. Denn seine Gegner konnten die Fehlbarkeiten förmlich riechen. Dabei war es egal, ob man sich auf einem Schlachtfeld gegenüberstand, im eigenen Dorf gekämpft wurde oder man einem wilden Tier begegnete. Jede Form von Mangeldenken, Zweifel oder körperlichen Schwächen war der Garant für’s eigenen Scheitern.


Früher war die ausgeprägte Fähigkeit überlebenswichtig, sich in seinen Gegner einfühlen zu können – strategisch, körperlich, mental und emotional.

Wir haben in der heutigen Zeit zwar keine Situationen wie früher, da uns Gesetze und soziale Standards ein Verhalten vorgeben. Aber die kriegerischen Aspekte von früher sind noch in uns angelegt, die Art sie auszutragen hat sich nur verändert – auf das Zwischenmenschliche. Und innerhalb unseres Spielraums für mögliches, legales Verhalten sind die Zwischentöne das Mittel der Wahl, zu „kämpfen“. Die Waffen sind die unterschwellige Formulierungen, Bewertungen, Erwartungen, der (Leistungs)Druck etc. Die Schlachtfelder sind die Herausforderungen des modernen Lebens, Ethikfragen, Zivilcourage, akute Lebensphasen, Unzufriedenheiten, das Arbeitsleben, Beziehungen aller Art und das eigene Ego.


Und obwohl die „Kriegsschauplätze“ sich so anders äußern, ist die Grundlage geblieben. Wer den Menschen/ der Situation


- in gestärktem Bewusstsein,

- in aufrechter (innerer) Haltung und

- mit Fokus und Klarheit begegnet,


wird „siegen“. Und das meine ich gar nicht im klassischen Sinne, sondern siegen im Sinne von ‚Die Situation für sich nutzen und daraus lernen‘.


Wie erreicht man das in der heutigen Welt?

Dazu gibt es in den Medien allerhand Tipps… „Steh deinen Mann“, „Sei authentisch“, „Lass den Anderen, wie er ist“ etc. Aber was heißt denn das genau? Meiner Erfahrung nach erreicht man das u.A. hiermit:


- Integrität (aufrichtig, echt, ehrlich)

- Herzensmut (für dich, deine Ziele und andere einstehend)

- Klarheit (in deiner Wahrnehmung, deinem Wirken, deinem Handeln)

- Entschlossenheit (ohne störrisch zu sein à mit dem Herz, statt dem Ego)

- Agilität & Flexibilität (körperlich und geistig beweglich sein, ohne sich zu verbiegen)

- eigenen Zwiespältigkeit annehmen und würdigen (Unentschlossenheit, Unsicherheiten etc.)

- alle Ebenen berücksichtigen (Kopf, Bauch und das Herz)

- bei Konflikten „nicht abhauen“ (präsent bleiben und sich seiner Anteile bewusst werden)

- deinen Werten treu sein und tun, was zu tun ist, um dich weiterzuentwickeln


Um dieser (nicht vollständigen) Aufzählung und einem ersten, kleinen Einblick in die Kriegerwelten einen würdigen Abschluss zu geben, möchte ich ein indianisches Sprichwort zitieren:


„Wenn es Schatten entgegenzutreten gilt, so tritt ein Krieger ihnen entgegen. Dazwischen habe er das weiche Herz eines jungen Mädchens.“



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