Körperintelligenz (K.I.) und Hochsensibilität

Inhalt:

Wie zeigt sich Hochsensibilität?

Auswirkungen unerkannter Hochsensibilität

Wie kann K.I. helfen?


Aus den beginnenden Forschungen[1] im Jahre 1989 zu „gehemmten Kindern“ bis hin zu den 2014 veröffentlichten Forschungsergebnissen[2] zu hochsensiblen Kindern lässt sich ableiten, dass die Gehirnaktivität bei hochsensiblen Menschen hervorgehoben ist, wenn es um die Wahrnehmung, das Fühlen und die Sinne geht. Wenn Menschen früher noch „schwache Nerven“ als Ursache attestiert wurden, ist heute bewiesen: Das Nervensystem hochsensibler Menschen arbeitet etwas anders, aber sie sind dadurch keine „schwachen“ Menschen. Und meine ganz persönliche Meinung: man könnte fast sagen, dafür, was diese Menschen alles wahrnehmen, erkennen und fühlen, sind sie eigentlich die viel stärkeren.


Die Körperintelligenz (K.I. - Lebensenergie [3]) kann für hochsensible Menschen daher ein starker Motor und tolles Werkzeug sein, im modernen, hektischen Leben zurechtzukommen. Denn K.I. findet immer eine Form, die sich von innen nach außen ausdrückt. Es gibt demnach keine vorgefertigten Formen, die es einzustudieren gilt, sondern K.I. nimmt das, was „da“ ist und bringt es in einen natürlichen Ausdruck – so, wie es eben in der Situation stimmig ist.


Wie zeigt sich Hochsensibilität?

Hochsensible Menschen[4] haben eine niedrige Reizschwelle, fühlen intensiv und werten die gefühlten Eindrücke auch intensiv aus. Dazu sind sie in Phantasien und Geschichten sehr kreativ und einfallsreich und besitzen eine ausgeprägte Fähigkeit zur Empathie. Diese wiederum lässt die Ich-Grenzen verschwimmen, weswegen schnell Überforderung, Überschuld- und schamempfinden auftreten kann. Auch das vermehrte „für andere die Verantwortung tragen“ kommt häufig vor, besonders als Strategie, eine mögliche Missstimmung oder unangenehme Situation zu entschäfen. Sie besitzen vielfach eine hohe Achtsamkeit und Ehrfurcht vor der Natur und dem großen Ganzen. Sie können Situationen und Szenarien in allen Einzelheiten vordenken und ausmalen, sind daher auch vorbelastet, sich übermäßig viele Sorgen zu machen und Befürchtungen auszumalen. Aus Überreizung reagieren sie oft in Übersprunghandlungen, sind aber eigentlich entscheidungsunfreudig. Sie besitzen eine hohe Erwartungshaltung an sich selbst und haben ein eher gering ausgeprägtes Selbstwertgefühl. Verläuft die Kindheit eines hochsensiblen Menschen kritisch und erschütternd, besteht eine erhöhte Disposition für Angstzustände, Depressionen und negatives Denken. Sie hegen oft einen großen Wunsch nach Partnerschaft und Familie, sind aber hin- und hergerissen zwischen der Sehnsucht und dem Wunsch nach Zeit und Raum für sich selbst.


Die Verhaltensstrukturen traumatisierter Menschen ähneln denen der hochsensiblen Menschen auffällig. Im Unterschied zu ihnen können traumatisierte Menschen ihre Widerstandsfähigkeit und sinnliche Belastbarkeit allerdings wiedererlangen, in dem sie ihre traumatischen Erfahrungen auf allen Ebenen (mental, emotional, körperlich, energetisch) verarbeiten.


Auswirkungen unerkannter Hochsensibilität

Ist eine Hochsensibilität unentdeckt oder unbeachtet, können die Auswirkungen immens, fast schon traumatisch sein und sich in ganz verschiedenen „Gesichtern“ zeigen. Und gerade weil das Nervensystem empfindlicher ist, ist die Kindheit eines hochsensiblen Menschen leicht zu erschüttern. Es könnte Vorwürfe hageln:


· warum die Person immer eine Extra-Wurst braucht

· warum sie nicht wie alle anderen sein kann

· dass sie nicht so empfindlich sein soll

· dass sie daran schuld sei, dass immer alles so kompliziert ist mit ihr

· dass sie nichts richtig machen kann

· dass sie einen schwierigen Charakter hat

· usw. usw.


Es würde darüber hinaus eine ständige Überreizung stattfinden, die sich nachhaltig auf die Gesundheit auswirkt und nur noch mehr Stress im Nervensystem verursacht. Beziehungen und Partnerschaften würden unter dem Rückzug und der Empfindsamkeit der Menschen leiden, weil sie nicht erklärt würde. Hochsensible Menschen selbst würden sich ständig infrage stellen und eine ungesunde und destruktive Schuld-Identität erschaffen, die wie ein roter Faden das eigene Leben sabotiert und gefährdet… das wäre, als ob man im Auto das Gas- und Bremspedal gleichzeitig betätigt; und zwar über Jahre hinweg. Die körperlichen Schäden wären gravierend.


Die Konsequenzen in der Lebensweise können unter Anderem sein:


· (hohe) Schulden

· massive Selbstzweifel

· keine gefühlte Daseinsberechtigung

· Versagensgefühle

· Schwierigkeiten, einen Job zu finden und zu halten

· häufige, gesundheitliche Einbrüche

· Einsamkeit, Sozial Isolation

· zerrüttete oder unschöne Beziehungen


Das alles würde soweit führen, dass keine Stabilität und Planbarkeit möglich wäre. Der Kreislauf von Selbstvorwürfen, Ängsten und Hilflosigkeit würde sich als eigene Wirklichkeit wider und wider seinen Weg suchen. Das Gefühl, etwas Gutes nicht verdient zu haben, wäre eine logische Folge.


Auch traumatisierte Menschen, die ihre Erfahrungen vielleicht gar nicht als solche werten, stoßen mit ihren, den hochsensiblen Eigenschaften ähnelnden, Verhaltensweisen immer wieder auf Ablehnung. In der Folge sind ähnlich verfahrene Lebenssituationen vorzufinden. In beiden Fällen ist die massive Selbstabwertung extrem schwierig zu „entmachten“, da sie im Laufe des Lebens so viele Referenzen dafür gesammelt hat, wirklich so ungenießbar zu sein, wie es ihnen suggeriert wurde.


Wie kann K.I. unterstützen?

Da hochsensible Menschen so gut darin sind, sich anzupassen, zu verbiegen oder ihre eigenen Grenzen für den Kontakt und die Ruhe aufzugeben, sind – als Metapher gesprochen – alle Ferngläser zur Regulierung nach außen gerichtet… von sich selbst weg. Es gibt also wenig oder zu viel durcheinander wirkendes Gespür für sich selbst, keinen verlässlichen Barometer oder eine hilfreiche Intuition dafür, ob sie sich übergehen, überfahren werden oder sich sonst wie schaden.


Wie zu Beginn schon erwähnt, ist K.I. ein Ausdruck, der sich seinen Weg von innen nach außen sucht. Es liegt demnach in der Natur von K.I., die Ferngläser auf sich selbst zu richten und zu spüren, was alles „da“ ist. Und da K.I. das Gegenteil von Absicht und Ego ist, lädt es auch dazu ein zu erkennen, dass z.B. anderen etwas „Recht machen“ auch eine Absicht ist.

K.I. ist der natürliche Barometer jedes Menschen für eine stimmige Begegnung – für sich selbst und andere Menschen. K.I. ist dadurch auch nicht anstrengend oder fordernd, sondern einfach ein Begleiter oder ein Zustand, für den man nichts tun muss. K.I. hat keine Formel von „entweder oder“, sondern eine Freiheit von „und“; nämlich zu sagen: „Auch wenn ich noch nicht weiß, wo meine Ich-Grenzen sind, achte ich gut auf mich.“ Denn K.I. ist immer das, was gerade ist und wer man gerade ist. Wenn man so will, ist K.I. auch eine innere Haltung, ein Zugeständnis an sich, richtig zu sein, auch wenn man sich noch nicht "fertig" fühlt.


K.I. kann dabei helfen, sich selbst zu sortieren, das Eigene von dem Anderen zu unterscheiden. Es ist ein Werkzeug für Klarheit und ein Zustand des unangestrengten absichtsfrei Seins. K.I. ist ein Helfer, bei sich anzukommen und zwischen Reiz und Reaktion eine Pause einzubauen, die es ermöglicht, Selbstwirksamkeit einziehen zu lassen: weg von einem re - agieren auf äußere Umstände hin zu einem agieren aus sich selbst heraus.


Bei Interesse an einem K.I. Workshop: https://www.kriegerwelten.de/workshop

Anmeldung unter traumawelten@web.de.


Kriegerwelten-Blog

Autorin: Eva Vogel


Quellen:

[1]Untersuchungen 1989 von Linda LaGasse

[2] Von der amerikanischen Psychologin und Wissenschaftlerin Elaine Aron

[3] Nach Karl Grunick, dem Begründer der K.I. in Deutschland

[4] Zusammenfassung aus dem Buch: „Die Kraft des Fühlens – Hochsensibilität erkennen und positiv gestalten“ von Ilse Sand, Verlag C. H. Beck, ISBN: 978-3-406-69793-7




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